Kurz gesagt. Ein Schutzraum ist ein unterirdischer Raum, der mit dem Erdreich in Kontakt steht und sehr dicht gebaut ist: genau die Bedingungen, unter denen sich Radon und Feuchtigkeit am leichtesten anreichern. In Italien legt das D.Lgs. 101/2020 für bestehende Wohnungen einen Referenzwert von 300 Bq/m³ fest, der für nach dem 31. Dezember 2024 errichtete Wohnungen auf 200 sinkt. Das Risiko betrifft vor allem die tägliche Nutzung, wenn der Schutzraum als Keller, Fitnessraum oder Archiv dient, mehr als die Tage eines Notfalls.
Was Radon ist und warum es sich unter der Erde anreichert
Radon ist ein natürliches radioaktives Gas, geruchlos und farblos. Das Istituto Superiore di Sanità (ISS, italienisches Gesundheitsinstitut) erklärt auf einer im Mai 2025 aktualisierten Seite, dass es beim Zerfall von Radium entsteht und vor allem aus dem Boden stammt, in geringerem Maß aus bestimmten Baustoffen wie Tuffstein. Nach Schätzungen des ISS ist die Radonbelastung in Italien für über 3.000 Fälle von Lungenkrebs pro Jahr verantwortlich.
Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) nennt es die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs nach dem Rauchen und weist darauf hin, dass es sich in geschlossenen Räumen anreichert. Das Faktenblatt der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Januar 2023 liefert die für Planer wichtigen Details: Die Konzentrationen sind meist in Kellern, Untergeschossen und erdberührten Räumen am höchsten, und das Gas dringt durch Risse in Böden, Fugen zwischen Boden und Wänden, Spalten um Rohre und Kabel, Schächte und Abflüsse ein. Laut WHO steigt das Lungenkrebsrisiko um etwa 16 % je 100 Bq/m³ zusätzlicher langfristiger mittlerer Konzentration, und für Raucher ist das Risiko etwa 25-mal höher.
Ein Schutzraum vereint all diese Faktoren. Er liegt unter der Erde, hat bei stillstehender Belüftung wenig Luftaustausch und bleibt in Friedenszeiten oft wochenlang geschlossen.

Die Grenzwerte in Italien und anderswo
Das D.Lgs. 101/2020 legt in Artikel 12 die Referenzwerte als Jahresmittel fest: 300 Bq/m³ für Arbeitsplätze und bestehende Wohnungen, 200 Bq/m³ für nach dem 31. Dezember 2024 errichtete Wohnungen. Die Werte werden unter anderem von der ARPA Puglia (Umweltagentur Apulien) in ihrem Umweltbericht 2022 wiedergegeben. Der Nationale Radon-Aktionsplan 2023–2032 wurde mit einem Dekret des Ministerpräsidenten vom 11. Januar 2024 verabschiedet. Welcher Grenzwert für einen Schutzraum gilt, hängt von der Nutzung des Raums ab und ist mit dem Fachplaner zusammen mit den übrigen Normen und Genehmigungen in Italien und Europa zu prüfen.
Die WHO empfiehlt einen nationalen Referenzwert von 100 Bq/m³ und, wo dieser nicht erreichbar ist, jedenfalls nicht mehr als 300. Die Schweiz zeigt, wie schwer der Schritt von den Regeln zur Praxis ist: Swissinfo berichtete im Januar 2020, dass laut einem Bundesbericht Radon nur in 6 % der Gebäude gemessen worden war, während das Bundesamt für Gesundheit von 200 bis 300 Todesfällen pro Jahr durch radonbedingten Lungenkrebs ausgeht.
Wie man misst
Karten reichen nicht aus. Das ISS hält Schätzungen auf Basis von Karten oder Bodenmessungen für unzuverlässig und nennt die direkte Messung als zuverlässigsten Weg, den Wert eines Raums zu kennen. Verwendet werden kleine passive Detektoren, die zwölf Monate an Ort und Stelle bleiben, weil sich die Konzentration mit Jahreszeiten und Wetter stark ändert. Laut ISS kostet eine einzelne Messung in der Regel nicht mehr als einige Dutzend Euro. Die WHO nennt zur Schätzung des Jahresmittels eine Messung von mindestens drei Monaten.
Für einen Schutzraum ist das praktische Kriterium einfach: im Schutzraum selbst messen, unter den Bedingungen, unter denen er tatsächlich genutzt wird, und die Messung nach Arbeiten an Böden, Wänden oder Haustechnik wiederholen. Ein gutes Projekt senkt das Risiko, aber nur die Messung zeigt den tatsächlichen Wert.
Vorbeugen kostet weniger als Sanieren
Die IAEA stellt fest, dass es in Neubauten in der Regel weniger kostet, die Anreicherung zu verhindern, als nachträglich einzugreifen. Die von WHO und ISS genannten Techniken sind bekannt: Belüftung unter dem Boden, ein Absaugschacht mit Ventilator unter der Bodenplatte, Abdichtung von Böden und Wänden, bessere Belüftung der Räume. Laut WHO können passive Systeme die Konzentrationen um mehr als 50 % senken, Systeme mit Ventilator noch stärker. Das ISS weist zudem darauf hin, dass Sanierungen, vor allem an Arbeitsplätzen, Fachleute mit einer Qualifikationsschulung von mindestens 60 Stunden erfordern.
In einem Schutzraum deckt sich ein Teil der Arbeit mit dem, was ohnehin nötig ist. Die Broschüre des Schweizer Bundesamts für Bevölkerungsschutz über große Schutzräume von 2024 verlangt, Spalten hermetisch abzudichten, angefangen bei den Leitungsdurchführungen: Das ist derselbe Eintrittsweg, den die WHO für Radon nennt. Ein Absaugsystem unter einer druckfest ausgelegten Bodenplatte muss dagegen von Anfang an mit dem Tragwerksplaner abgestimmt werden. Um Luft und Belüftung geht es auf der Seite zu Luft, Belüftung und Filtration im Schutzraum.

Feuchtigkeit und Kondenswasser
Feuchtigkeit ist das zweite verborgene Risiko. Die WHO-Leitlinien zur Innenraumluftqualität zu Feuchtigkeit und Schimmel von 2009 bringen feuchte Räume mit mehr Atemwegsbeschwerden, Allergien und Asthma in Verbindung und nennen als wichtigste Maßnahme, anhaltende Feuchtigkeit auf Innenflächen und in Bauteilen zu vermeiden.
In einem unterirdischen Raum bleiben die Wände oft kühler als die Luft, und wenn die Luft feucht ist, bildet sich Kondenswasser. Das Schweizer System rechnet damit: Die BABS-Broschüre „Der Schutzraum“ von 2023 verlangt, vor der Nutzung den Kondenswasserbehälter der Belüftung zu leeren. Das Unterhaltsmerkblatt des Zivilschutzes des Kantons Luzern von 2023 verlangt saubere, mit Wasser gefüllte Bodenabläufe, weil leere Abläufe Geruch verursachen. Die WHO wiederum zählt gerade Abflüsse und Schächte zu den Eintrittswegen von Radon.
Feuchtigkeit belastet auch die Anlage: ABC-Filter arbeiten mit Aktivkohle, die bei Feuchtigkeit an Wirkung verliert, und ein feuchter Raum ist nicht der ideale Ort, um sie zu lagern.
Der typische Fehler: den Schutzraum nutzen, ohne gemessen zu haben
Der fertige Schutzraum wird oft sofort zum Weinkeller, Fitnessraum oder Dokumentenarchiv umfunktioniert. Die Schweizer Broschüre erlaubt Nutzungen als Keller, Lager, Hobbyraum oder Archiv, sofern Hülle, Türen und Belüftung nicht verändert werden. Doch ein Papierarchiv in einem feuchten Raum verdirbt, und ein täglich genutzter Fitnessraum in einem Raum mit hohem Radonwert belastet die Menschen genau auf die Weise, die für das Risiko zählt: viele Stunden, über Jahre.
Die Sicht von NetCom
NetCom geht vom tatsächlichen Bedarf des Kunden aus, und zum tatsächlichen Bedarf gehört die tägliche Nutzung des Raums, nicht nur das Notfallszenario. Deshalb fließen Radon und Feuchtigkeit in die erste Bewertung ein, zusammen mit den Risiken, vor denen der Schutzraum schützen soll.
NetCom koordiniert das Sicherheitskonzept und bringt die zugelassenen Fachleute für Tragwerk, Haustechnik und Sanierung zusammen; die Ausführung übernehmen ausgewählte Partnerunternehmen nach NetCom-Protokollen. Messungen und Unterlagen bleiben vertraulich.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der Radon-Referenzwert in Italien?
Das D.Lgs. 101/2020 legt als Jahresmittel 300 Bq/m³ für Arbeitsplätze und bestehende Wohnungen und 200 Bq/m³ für nach dem 31. Dezember 2024 errichtete Wohnungen fest. Welcher Wert für einen Schutzraum gilt, hängt von seiner Nutzung ab.
Wie misst man Radon in einem unterirdischen Raum?
Mit passiven Detektoren, die zwölf Monate im Raum bleiben, wie es das Istituto Superiore di Sanità empfiehlt, das Schätzungen auf Kartenbasis für unzuverlässig hält. Bei einem Schutzraum sollte man unter realen Nutzungsbedingungen messen.
Reicht die Belüftung des Schutzraums gegen Radon?
Sie hilft, wenn sie läuft, ist in Friedenszeiten aber oft abgeschaltet. Wirksame Maßnahmen wie Abdichtung und Absaugung unter der Bodenplatte sind im Projekt vorzusehen und mit dem Tragwerk abzustimmen.
Wenn Sie einen Schutzraum in einem Untergeschoss in Erwägung ziehen und ihn auch unter Berücksichtigung von Radon und Feuchtigkeit planen möchten, erklärt die NetCom-Seite über Bunker und private Schutzräume, wie Sie ein erstes vertrauliches Gespräch anfragen.
Um einen Schutzraum auf Ihrem Grundstück zu prüfen: Private Bunker und Schutzräume · Schutzraum-Vorprüfung · Wer baut private Bunker? · Bunker-Kosten
Quellen
- Protezione dal radon — Istituto Superiore di Sanità, veröffentlicht am 13. November 2019, aktualisiert am 7. Mai 2025.
- Radon — Weltgesundheitsorganisation, 25. Januar 2023.
- Radon — Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA).
- Radon-Aktivitätskonzentration in Innenräumen (Umweltzustand, physikalische Einwirkungen 2021) — ARPA Puglia, Februar 2022.
- Piano d'azione per il radon 2023-2032: in Gazzetta il DPCM — LavoriPubblici.it, 23. Februar 2024.
- WHO guidelines for indoor air quality: dampness and mould — Weltgesundheitsorganisation, 2009.
- Il rifugio. Informazioni sullo scopo, la struttura e l'utilizzo dei rifugi per la popolazione — Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS), Juni 2023.
- Grandi rifugi. Informazioni sui rifugi per persone con da 200 a 800 posti — BABS, Oktober 2024.
- Merkblatt für den Unterhalt von Schutzräumen — Kanton Luzern, Fassung vom 5. Juli 2023.
- Anti-radon measures found 'to be lacking' — Swissinfo, 31. Januar 2020.
